Die Kulturgeschichte der
Deutschen ist der Schlüssel zu Hasselhoff’s Erfolg
The English version can be found
at:
http://www.pub.umich.edu/daily/1997/jun/06-04-97/arts/arts1.html
Von Matthew Turner
Hier auf Erden gibt es die
verschiedensten Länder. Sie unterscheiden sich in der Zusammensetzung ihrer
Bevölkerung, haben unterschiedliche Nachbarn und unterschiedliche Feinde. Wenn
wir unser eigenes Land (gemeint ist die USA) besser verstehen wollen, müssen
wir lernen, warum sich einige Länder von unserem unterscheiden – wir müssen
ihre kulturelle Identität untersuchen, was für Außenstehende sehr schwierig
sein kann.
Viele Leute sind beispielsweise
verwundert darüber, warum der amerikanische Schauspieler und Sänger David
Hasselhoff von den Deutschen so verehrt wird. Aber in den weiterführenden
Erklärungen dieses Artikels wird gezeigt, dass die Wurzeln für das verblüffende
„Hasselhoff – Phänomen“ in der deutschen Kulturgeschichte liegen.
Als erstes sollte man über
Deutschland und über die deutsche Gewissenhaftigkeit nachdenken, die dazu geführt
hat, dass das Dritte Reich an die Macht kam und einen dunklen Flecken bei den
Deutschen hinterlies. Die deutsche Kultur erreichte ihren Höhepunkt gegen Ende
des 18. Jahrhunderts. Dies war das Zeitalter der brillanten Philosophen und
herausragenden Musiker: Goethe, Beethoven, Mozart.
Im Vergleich mit dem restlichen
Europa, war die deutschsprachige Bevölkerung der Vorreiter der Kultur. Natürlich
gibt dieses Statement Anlass zu einer Debatte. Das Wichtigeste dabei ist, sich
ins Gedächtnis zu rufen, dass es zu dieser Zeit Menschen gab, die – nach Ansicht der Deutschen – genau so waren,
wie ein Mensch sein und leben sollte. Dies trug seinen Teil dazu bei, eine Norm
festzulegen, nach der sich alle bedeutenden Persönlichkeiten richteten.
Das bringt uns auf zwei Männer,
die im Deutschland des späten 19. Jahrhunderts lebten: Friedrich Nietzsche und
Richard Wagner. Beide lebten für die großen deutschen Tugenden Standhaftigkeit,
Mut und Tapferkeit und entwickelten daraus das, was möglicherweise die deutsche
Identität sein könnte. Wagner sprach von der mystischen Götter- und Heldenvergangenheit
und den legendären Wurzeln der Deutschen, einem noblen und starken Volk.
Nietzsche sprach von einem Superman, der aufsteigen und die eigene Menschheit
überwinden wird, um irgendwie noch menschlicher zu sein oder ein besserer
Mensch zu werden.
Den beiden feinen Herren soll
nicht irgendetwas vorgeworfen werden, doch wuchs die Bildung der deutschen
Tugenden weit über das hinaus, was sie eigentlich beabsichtigten und endete
schließlich im Dritten Reich. Die Idee, was es bedeutete ein Deutscher zu sein
und was von einem guten Deutschen vom Rest der Welt erwartet wurde getan zu
werden, wurde in die Vorstellung der deutschen Übermacht und verbogen. Die Tugend
der Menschheit, die solange erhaben gewesen war, artete in einem krankhaften
Geist und Perversion aus.
Was sollten die Deutschen, als
Europa überwältigt war und die ganze Welt mit dem Finger auf Deutschland
zeigte, nach dem 2. Weltkrieg machen? Da ihre Vergangenheit dazu führte das
Monster „Drittes Reich“ zu kreieren, konnten die Deutschen einer Identität,
basierend auf dieser vergangenen Kultur
nicht länger zustimmen. Die Deutschen mussten sich eine neue kulturelle
Hoffnung und Freiheit suchen – aber wo?
Ein Ort, bei dem die Deutschen
nach Erkenntnis suchten, war die aufstrebende USA. Hier fing die Kultur gerade an
zu erblühen und man hatte dort viele neue Ideen. Allerdings ist es schwierig, die Vergangenheit ganz zu
vergessen und mit einem völlig neuem Staat anzufangen, da es immer Erlebnisse
gibt, an die man sich erinnert und die als Raster für das deutsche Gewissen
agieren. Dieses Raster hält die Deutschen davon ab Amerikaner zu werden,
genauso wie es umgekehrt den amerikanischen Sprösslingen nicht erlaubt die deutsche
Mentalität anzunehmen. Dieses Raster erlaubt den Deutschen weiterhin deutsch zu
bleiben.
Einem Mann gelang es durch dieses
Raster zu schlüpfen und Erfolg zu haben. Dieser Mann ist David Hasselhoff. Ein
Amerikaner mit einer dubiosen Schauspielkarriere wurde in Deutschland zum
Megastar. Als Amerikaner fragt man sich: warum?
Dafür gibt es mehrere Gründe: 1.
er heißt Hasselhoff – ein guter deutscher Name, dem man Vertrauen schenken
kann. Allerdings ist nicht alles an Hasselhoff deutsch – es fließt
amerikanisches Blut in seinen Adern und er spricht wie ein Amerikaner.
Amerikaner sind rebellisch und wundersam, manchmal auch flippig – ganz das
Gegenteil zu den traditionellen deutschen Tugenden Standhaftigkeit, Mut und
Tapferkeit. Doch David Hasselhoff ist nicht wirklich ein rebellischer,
wundersamer und flippiger Amerikaner wie z.B. Jim Carrey. Diese Art Amerikaner
ist für die Deutschen zuviel. David hat etwas Klasse, etwas vom Neil Diamond –
Stil.
David hat das Glück das kulturelle
Medium zu sein, das die Deutschen seit Ende des 2. Weltkrieges gesucht hatten.
Er hat mitgeholfen die neu vereinte deutsche Nation kulturell wieder aus den
Tiefen des ideologischen Debakels aufzubauen. Er hat in beiden Ländern ein
Standbein: in den USA genauso wie in Deutschland und ist der Silberstreif für
internationale Angelegenheiten am Horizont, der internationalen Frieden durch
kulturelles Verständnis fördert. Ungeachtet dessen, was wir Amerikaner von
Hasselhoff’s Begabungen als Schauspieler oder Sänger halten mögen, müssen wir
die Freude und Liebe, die er Millionen Deutschen täglich gibt, akzeptieren.




David Hasselhoff hat im Internet
beides: begeisterte Fans wie leidenschaftliche Feinde. Die Webseite http://www.ithaca.edu/shp/shp98/dwiller1/dh.html (siehe Bild
ganz oben links) wirbt für Hasselhoff’s Schauspieltalent mit einem großem Bild
im Baywatch – Stil. Eine andere Webseite http://indirect.com/www/warren/baywatch.html
(siehe Bild ganz oben rechts), zeigt Hasselhoff in einem anderen Licht und
behauptet, Hasselhoff sei eigentlich der Teufel. Und eine dritte Seite http://camel.conncoll.edu/ccother/sf.folder/dh96/dh96html
(siehe oben unteres Bild links) tritt dafür ein, dass Hasselhoff der
potentielle Führer der freien Welt sein soll. Was auch immer Hasselhoff’s wahre
Identität ist, auf dem Cover seiner gleichnamigen CD (siehe oben unteres Bild
rechts) sieht es so aus, als wäre er bereit, viele Herzen zu brechen.
4. Juni 1997